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kurs:homogene-atmosphaere

Theorielehrgang Inhaltsverzeichnis

Lektion 3 - Homogene Atmosphäre

Die Homogene Atmosphäre ist ein Atmosphärenmodell dass die Kompressibilität der Luft und damit den tatsächlichen Druckverlauf in der Atmosphäre ignoriert.

Auch der Temperaturverlauf wird nicht berücksichtigt.

Sie besteht aus 8000 Kubikmetern gleicher Dichte, die übereinander gestapelt sind, und hört bei 8000m schlagartig auf.

Das Modell der Homogenen Atmosphäre dient zur überschlägigen Abschätzung der Ballastabgabe für den Höhengewinn und des Füllgrades beim Gasballon. Sie ist bis zu einer Höhendifferenz von 2000 Metern für diesen Zweck hinreichend genau.

Von links nach rechts: 10 Würfel à 1 Kubikmeter gestapelt, 100 Würfel à 1 Kubikmeter gestapelt, wobei die Würfel nicht mehr einzeln dargestellt werden, nur alle 10 Meter durch eine Linie angezeigt werden, 1000 Würfeld à 1 Kubikmeter gestapelt, wobei nur alle 100 Meter durch eine Linie angezeigt werden, 8000 Würfel à 1 Kubikmeter gestapelt für die komplette Höhe der Homogenen Atmosphäre, wobei nur alle 100 Meter durch eine Linie markiert werden, 2000 Würfel à 1 Kubikmeter um die Höhendifferenz zu symbolisieren, mit der überschlägige Abschätzungen mit der Homogenen Atmosphäre möglich sind.

Wie die Zeichnung zeigt, ist es nicht möglich 8000 übereinandergestapelte Würfel bildhaft darzustellen, zumindest nicht im üblichen Maßstab und Auflösung der zur Verfügung stehenden Medien.

Funktion

Wenn ein praller Gasballon in der Homogenen Atmosphäre um x Prozent aufsteigt, dann muss auch seine Masse um x Prozent reduziert werden.

Wenn ein unpraller Gasballon in der Homogenen Atmosphäre um x Prozent aufsteigen soll, dann muss er um 100 minus x Prozent gefüllt werden.

Links in dunkelblau die Verteilung der Masse und des Drucks in der ICAO-Standardatmosphäre. Rechts daneben die Daten der Homogenen Atmosphäre. Der grüne Kasten mit der Beschriftung 2000m kennzeichnet den Höhenbereich, mit dem mit Hilfe der Homogenen Atmosphäre überschlägige Abschätzungen hinreichend genau vorgenommen werden.

Links in blau die Halbwertshöhe der ICAO-Standardatmosphäre. Halbwertshöhe bedeutet die Höhendifferenz wo sich der Druck jeweils halbiert. Bei der ersten Halbwertshöhe von 5500m haben wir noch einen Druck von etwas über 500hPa, der Hälfte des Druckes auf MSL von 1013,25hPa. Unter der Höhe von 5500m liegt bereits die Hälfe der Masse der Atmosphäre.

Rechts die Daten der Homogenen Atmosphäre, zuerst die Höhe in Metern, dann das Schema der Atmosphäre, und rechts die Prozent. Die Halbwertshöhe der Homogenen Atmosphäre liegt bei 4000m, während diese in der ICAO-Standard-Atmosphäre bei 5500m liegt. Das bedeutet, die Druckhöhe von 500hPA liegt bereits bei 4000m und damit deutlich tiefer.

Der grüne Kasten mit der Beschriftung 2000m kennzeichnet den Höhenbereich, mit dem mit Hilfe der Homogenen Atmosphäre überschlägige Abschätzungen hinreichend genau vorgenommen werden können.

Beispiele

Aufstieg praller Gasballon

Ein 1000m³ großer praller Gasballon auf 0m/msl soll auf 400m/msl1) steigen:

Gesamtmasse: 1000m³ x 1,3kg/m³ = 1300kg

400m Höhendifferenz entspricht 5% von 8000m ⇒ Die Masse muss um 5% von 1300kg reduziert werden, das heißt um 65kg, das heißt es müssen 65kg Ballast abgegeben werden.

Diee überschlägige Abschätzung berücksichtigt jetzt weder, dass beim prallen Gasballon auch Traggas durch den Füllansatz ausströmt, noch den Temperaturverlauf mit der Höhe. Bei Wasserstoff mit einer Dichte von 0,1kg/m³ kann die Masse des ausströmenden Gases auch vernachlässigt werden: 5% ⇒ 50m³x0,1kg/m³=5kg spielt jetzt nicht die große Rolle. Bei Leuchtgas mit einer Dichte von 0,6kg/m³ sieht das anders aus: 5% ⇒ 50m³x0,6kg/m³=30kg. Das bedeutet auch, dass die gleiche Menge Ballastabgabe bei einem gleich großen Leuchtgasballon zu einem größeren Höhengewinn führt.

Im Beispiel wird von der Normdichte auf Meereshöhe ausgegangen (0°C/273K 1013,25hPa). Wenn die Temperatur höher oder niedriger ist, verändert sich entsprechend die Masse. Beispielsweise beträgt die Dichte von Luft unter den Bedingungen der ICAO-Standardatmosphäre (15°C/288K 1013,25hPa 0m/msl) 1,225kg. Die Reduzierung der Gesamtmasse um 5% beträgt jetzt nur noch 61,25kg.

Wenn wir jetzt nicht auf Meereshöhe starten, sondern in Gersthofen auf 465m/msl, dann können wir die Reduzierung des Luftdrucks wie folgt abschätzen: QNH2)-(465:8)=QFE3). Das heißt der Luftdruck beträgt dann am Startplatz nur noch 955hPa. Damit reduziert sich die Dichte auf 1,226kg/m³. Und wenn ich nicht 0°C habe, sondern 15°C dann reduziert sich die Luftdichte auf 1,161kg/m³. Das bedeutet mein 1000m³ großer praller Gasballon hat jetzt eine Gesamtmasse von 1161kg, und wenn ich jetzt um 400m auf 865m steigen möchte, muss ich wiederum 5% der Gesamtmassse reduzieren und folglich 58,1kg Ballast abgeben.

Jetzt habe ich aber keinen 1000m³ großen Gasballon, sondern nur einen 840m³ großen Gasballon. Dann beträgt dessen Gesamtmasse 840m³x1,161kg=945,24kg. 5% davon wären 48,8kg, das heißt um hier um vom Startplatz auf 400m/agl4) zu steigen, muss ich rund 10kg Ballast weniger abgeben als beim 1000m³ großen Gasballon.

Jetzt möchte ich 1600m Höhengewinn erzielen. Das sind 20% der Höhe der Homogenen Atmosphäre, also muss ich jetzt meine Gesamtmasse um 20% reduzieren.

Tabelle

Ausgangshöhe Temperatur Druck Masse Masse Höhengewinn Ballastabgabe
1000er 840er 1000er 840er
0m/msl 0°C 1013hPa 1300kg 1092kg 400m 65kg 55kg
0m/msl 15°C 1013hPa 1225kg 1029kg 400m 61kg 51kg
465m/msl 15°C 955hPa 1161kg 975kg 400m 58kg 49kg
5500m/msl 0°C 506hPa 650kg 546kg 400m 33kg 27kg
Ausgangshöhe Temperatur Druck Masse Masse Höhengewinn Ballastabgabe
1000er 840er 1000er 840er
0m/msl 0°C 1013hPa 1300kg 1092kg 1200m 195kg 154kg
0m/msl 15°C 1013hPa 1225kg 1029kg 1200m 184kg 154kg
465m/msl 15°C 955hPa 1161kg 975kg 1200m 174kg 146kg
5500m/msl 0°C 506hPa 650kg 546kg 1200m 98kg 82kg
Zahlen gerundet

Wie bereits bemerkt berücksichtigt das Modell der Homogenen Atmosphäre nicht den Temperaturverlauf. Nimmt die Temperatur mit der Höhe ab, so ist der Höhengewinn bei gleicher Ballastabgabe größer, nimmt die Temperatur mit der Höhe zu (Inversion) so ist der Höhengewinn bei gleicher Ballastabgabe geringer.

Aufstieg bei Isothermie

Die Grafik symbolisiert die Situation beim Aufstieg bei Isothermie. Links der Temperaturverlauf mit der Höhe, mittig ein Thermometer das 0°C/273K anzeigt, dazu den Druck von 1013hPa. Dann einen Gasballon und einen Sandsack, der die Reduzierung der Masse um 1% symboliseren soll, ganz rechts ein Gewicht von 1300kg für die Gesamtmasse des Ballons. Oben rechts der Schriftzug 80 Meter für den Höhengewinn.

Aufstieg bei mit der Höhe abnehmender Temperatur

Die Grafik symbolisiert die Situation beim Aufstieg bei Isothermie. Links der Temperaturverlauf mit der Höhe, mittig ein Thermometer das 0°C/273K anzeigt, dazu den Druck von 1013hPa. Dann einen Gasballon und einen Sandsack, der die Reduzierung der Masse um 1% symboliseren soll, ganz rechts ein Gewicht von 1300kg für die Gesamtmasse des Ballons. Oben rechts der Schriftzug 80 Meter plus X für den Höhengewinn.

Aufstieg bei einer Inversion

Die Grafik symbolisiert die Situation beim Aufstieg bei Isothermie. Links der Temperaturverlauf mit der Höhe, mittig ein Thermometer das 0°C/273K anzeigt, dazu den Druck von 1013hPa. Dann einen Gasballon und einen Sandsack, der die Reduzierung der Masse um 1% symboliseren soll, ganz rechts ein Gewicht von 1300kg für die Gesamtmasse des Ballons. Oben rechts der Schriftzug 80 Meter minus X für den Höhengewinn.

Aufstieg unpraller Gasballon

Eine weitere Fragestellung ist, wie schätze ich in welcher Höhe ein unpraller Gasballon prall wird, seine Prallhöhe erreicht. Hierzu arbeitet man mit folgender Formel:

Volumen des Ballon (= 100%) minus Füllgrad in Prozent gleich Prozent, um die der unpralle Gasballon in der Homogenen Atmosphäre von 8000m steigt, um die Prallhöhe zu erreichen.

Volumen = 100% Füllgrad % Füllgrad m³ Höhendifferenz % Höhendifferenz m
1000m³ 95% 950m³ 5% 400m
840m³ 95% 798m³ 5% 400m
510m³ 95% 485m³ 5% 400m
1000m³ 80% 800m³ 20% 1600m
840m³ 80% 672m³ 20% 1600m
510m³ 80% 408m³ 20% 1600m
Zahlen gerundet

Zu beachten ist, dass die Prallhöhe nicht gleich der Gleichgewichtshöhe ist. Je nach gewählter Steiggeschwindigkeit und der damit verbundenen Erleichterung des Gasballons wird dieser die Prallhöhe übersteigen. Um wieviel die Prallhöhe überstiegen wird, lässt sich mit der unter Aufstieg praller Gasballon geschilderten Methode ermitteln.

Links die Werte der Homogenen Atmosphäre bis 2400m, rechts daneben unten bei 0m ein unpraller, rot-weiß gestreifter Gasballon, markiert mit 80% für den Füllgrad. Darüber derselbe Gasballon jetzt prall, bei 1600m und markiert mit 100% für den Füllgrad. Weiter rechts ein praller blau-weiß gestreifter Gasballon, und rechts daneben Gewichte. Das erste Gewicht symbolisiert die Gesamtmassse in %, das zweite Gewicht die Masse um die die Gesamtmasse reduziert wird in % und ganz rechts die verleibende Masse des Gasballons. Darüber derselbe Gasballon mit dem Gewicht rechts daneben bei 1600m. Das Gewicht stellt die aktuelle Gesamtmasse dar, die gleich der verbleibenden Masse auf 0m ist.

Füllen eines Gasballon auf einem höhergelegenen Startplatz

Die Vorgehensweise ist gleich der, mit der die Prallhöhe ermittelt wird:

Volumen des Gasballons (100%) minus Höhendifferenz zu msl (%) gleich Menge Traggas (%).

Starthöhe 1200m/msl ⇒ 15% Höhe der Homogenen Atmosphäre ⇒ 85% Ballonvolumen wird zum Füllen benötigt.

Volumen des Ballons gleich Volumen Traggas auf 0m/msl Höhe m/msl Volumen Traggas das zum Füllen in dieser Höhe benötigt wird
1000m³ 400m 950m³
840m³ 400m 798m³
510m³ 400m 485m³
1000m³ 1600m 800m³
840m³ 1600m 672m³
510m³ 1600m 408m³
Zahlen gerundet

Fragen

Frage 1: Wie ist der Druckverlauf in der Homogenen Atmosphäre?

Frage 2: Bis zu welcher Höhendifferenz können Abschätzungen mit Hilfe der Homogenen Atmosphäre hinreichend genau vorgenommen werden?

Frage 3: Wenn ich 70% der Höhe der Homogenen Atmosphäre erreicht habe, wieviel Prozent des Ausgangsdrucks auf 0m/msl hätte ich dann noch?

Antwort-Formular zur Homogenen Atmosphäre

1)
MSL: Mean Sea Level - Mittlere Meereshöhe
2)
QNH: Der mit Hilfe der ICAO-Standardatmosphäre auf Meereshöhe reduzierte Luftdruck
3)
QFE: Der aktuelle am Ort gemessene Luftdruck
4)
AGL: Above ground level - Höhe über Grund
kurs/homogene-atmosphaere.txt · Zuletzt geändert: von Volker Löschhorn

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